In meinem zweiten Blog berichte ich euch von meinen Eindrücken und Erlebnissen an der Sekundarschule in Mivumoni, wo ich selber als Lehrerin im Einsatz war. Im Unterricht und in den Gesprächen mit den Schülerinnen und den Lehrpersonen erfuhr ich viel über den Schulalltag und das Leben der Jugendlichen in Tansania.

Als ich zum ersten Mal einen Blick in ein Schulzimmer warf, lachten mir rund 45 Schülerinnen in einer Schuluniform entgegen. Die Schulklassen in Tansania sind meist sehr gross. In öffentlichen Schulen können sie bis zu 70 SchülerInnen zählen. «Good morning teacher» wurde mir freundlich und respektvoll zugerufen. An der Sekundarschule in Mivumoni werden die meisten Schulfächer in Englisch und nicht in der Landessprache Suaheli unterrichtet. Der Tagesablauf ist ausgefüllt. Um 5:45 Uhr stehen die Schülerinnen auf und begeben sich zuerst zum gemeinsam Gebet und danach zum Frühstücken. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr und beinhaltet unterschiedliche Fächer. Das Mittagessen nehmen die Schülerinnen gemeinsam ein und das Geschirr wird von jeder Schülerin selbst abgewaschen, denn Gemeinschaft und Einsatz fürs Gemeinwohl wird an der Schule gefördert. Am Nachmittag folgt nochmals Unterricht. Entgegen der Schweiz, wo die Schüler nach der Schule ihren Hobbies nachgehen, helfen die Schülerinnen in Mivumoni im Schulgarten, putzen die Zimmer und waschen ihre Kleider von Hand. Dies dient einerseits dem Gemeinwohl. Anderseits werden die Schülerinnen so auf ein hartes Erwerbsleben vorbereitet. Nach dem Nachtessen ist nochmals Zeit fürs Lernen reserviert. Um 22 Uhr endet ein langer aber lehrreicher Schultag im Bett in ihrem Schlafsaal, den sie mit ungefähr 30 anderen Schülerinnen teilen.

Interessant war auch der Blick in die Schulbücher. Oft ging es um
die Thematik von HIV, sonstigen Krankheiten oder guten Umgangsformen und
Manieren. Die Schule übernimmt in Tansania eine Erziehungs- und
Aufklärungsrolle, welche in der Schweiz mehrheitlich von den Eltern übernommen
wird.

Sofern es nicht gerade regnet, haben die Schülerinnen an zwei Tagen je zwei Stunden Sportunterricht, den ich auch einmal leiten durfte. Bei rund 150 Schülerinnen auf dem Sportfeld hat sich die Leitung einer Unterrichtslektion mit lediglich einem Volleyball und einem Fussball als sehr anspruchsvoll erwiesen. Improvisation war gefragt.

An drei Tagen übernahm ich den Englischunterricht. Da die Lektionen als Repetition eingeplant waren, wollte ich die Schülerinnen zum Reden motivieren. Dazu haben wir uns gegenseitig über das Leben in den jeweiligen Heimatländern ausgefragt. Sie waren sehr interessiert und stellten Fragen zum Essen, zur Schule und zu den Feiertagen sowie persönliche Fragen zu mir und meiner Familie. Überrascht hat sie besonders, dass ich mit 23 Jahren weder verheiratet bin, noch eine Familie habe.

Es war für mich äusserst spannend einen Einblick in den Schulalltag in Tansania zu erhalten und dieser mit meinen eigenen Erinnerungen vergleichen zu können.